Zusammenfassung: Der
Hodenkrebs ist ein seltener bösartiger Tumor beim meist jüngeren Mann, der sich
aus den Keimzellen der Hoden entwickelt. Seltener entstehen solche
Keimzelltumoren auch außerhalb der Hoden (Gonaden) im hinteren Bauchraum oder
Brustkorb und werden dann als extragonadale Keimzelltumoren bezeichnet. Durch
moderne Behandlungsformen wird die überwiegende Mehrzahl der Erkrankten auch in
fortgeschrittenen Stadien - als bekanntes Beispiel sei Lance Amstrong erwähnt
- geheilt.

Bei noch unklaren Ursachen der Tumorentstehung sind einige Risikofaktoren wie z.B. der Leistenhoden oder der Hodenhochstand (Maldescensus) bekannt.
Das führende Symptom ist die
schmerzlose, harte, überwiegend einseitige Schwellung des Hoden.
Für die Behandlung stehen
die Operation, die Chemotherapie und die Strahlentherapie zur Verfügung. Deren
Einsatz ist abhängig von der Tumorart und dem Stadium der Erkrankung.
Die
Selbstuntersuchung zwischen dem 15. – 40. Lebensjahr ist als Hauptmaßnahme zur
Tumorvorsorge zu empfehlen.
Begriffsbestimmung:
Der bösartige Tumor des Hoden ist ein eher seltener
Tumor des jungen Mannes. Der Tumor entsteht aus den sogenannten Keimzellen
(Vorläuferzellen der Spermien) des Hoden. Meist gleichbedeutend werden diese
Tumoren als „bösartige Hodentumoren“, „Hodenkrebs“ oder „Keimzelltumoren“
bezeichnet.
Bei
nur ca. 2-3% von Tumoren des Hodens liegen keine Keimzelltumoren sondern andere
Tumorarten, beispielsweise ein sogenanntes Lymphom oder andere seltene Tumoren
vor.
Häufigkeit:
Hodentumoren treten meist im Alter von etwa 20-40
Jahren (gelegentlich auch früher oder später) auf. Jährlich erkranken in
Deutschland etwa 3000 Männer. Die Häufigkeit hat sich in den letzten 20 Jahren
verdoppelt.
Bei ca. 95% der betroffenen Patienten liegt ein
einseitiger Befall der Hoden (Gonaden) vor (= gonadaler Keimzelltumor). Da bei
der Entwicklung des Embryos die Keimzellen von oberen Körperpartien nach unten
in den Hoden wandern, kann sich auch versprengt liegendes Gewebe im Brustkorb
oder in der Bauchhöhle bösartig verändern. In diesem Fall spricht man von einem
extragonadalen Keimzelltumor. Ist
der Keimzelltumor im Brustkorb, zwischen den Lungen, gelegen, spricht man von
mediastinalen Keimzelltumoren; liegt der Keimzelltumor im Bauchraum neben der
Wirbelsäule – ohne dass der Hoden betroffen ist - spricht man von
retroperitonealen Keimzelltumoren.
Ursachen:
Die Ursachen von Hodentumoren sind weitgehend
ungeklärt. Ein höheres Risiko, an Hodenkrebs zu erkranken, haben Männer mit
Leisten- oder Pendelhoden bzw. Hodenhochstand (Maldescensus).
Eine
Vererbbarkeit oder Übertragbarkeit von Hodentumoren auf Nachkommen oder
Geschlechtspartner ist nicht bekannt.
Arten von
Hodentumoren:
Unter therapeutischen Gesichtspunkten werden
Hodentumoren in 2 große Gruppen gemäß ihren Ursprungszellen eingeteilt. Seminome machen etwa ein Drittel der
Keimzelltumoren aus. Die restlichen Keimzelltumoren werden unter der Gruppe der
Nicht-Seminome bzw. der nicht-seminomatösen Hoden-/Keimzelltumoren
(embryonales Karzinom, reifes sowie unreifes Teratom, Teratokarzinom und
Chorionkarzinom, Mischformen ) zusammengefasst.
Symptome:
Ein großer Vorteil von Hodenkrebs liegt darin, dass man ihn leicht entdecken kann. Leit- und Frühsymptome bei Hodenkrebs sind die tastbare, meist schmerzlose, harte überwiegend einseitige Schwellung des Hoden, eine „Knotenbildung“ im/am Hoden, ein Ziehen oder ein Schweregefühl im Hoden . Seltene hormonaktive Tumoren können Symptome durch die Hormonproduktion verursachen, wie z.B. Unfruchtbarkeit, Libidoverlust oder eine Schwellung der Brustdrüsen (Gynäkomastie).
Lokale Komplikationen einer fortgeschritteneren
Erkrankung mit Tochtertumoren (Metastasen) können Symptome wie Rückenschmerzen,
Knochenschmerzen oder z.B. eine Schwellung eines Beines durch
Lymphknotenvergrößerungen verursachen.
Diagnosestellung:
Bei entsprechender Symptomatik und Tastbefund kann
der Diagnoseverdacht durch eine ungefährliche Ultraschall- und Blutuntersuchung
erhärtet werden. Bei der Blutuntersuchung werden sogenannte Tumormarker
bestimmt; dies sind Eiweißstoffe, die bei Krebserkrankungen im Blut erhöht sein
können und deren Bestimmung eine Aussage über das Vorliegen, den Verlauf und
auch die Prognose der Krebserkrankung erlauben. Im Fall von Keimzelltumoren
werden die Tumormarker Alpha-Fetoprotein (AFP), ß-HCG und die Laktatdehydrogenase (LDH) bestimmt. Endgültig kann
die Diagnose jedoch nur durch die feingewebliche Untersuchung einer Gewebeprobe
aus dem Hoden gestellt werden. Gelegentlich erfolgt noch eine kleine
Probeentnahme aus dem zweiten Hoden, um Vorstufen eines Hodentumors im bislang
gesunden Hoden (testikuläre intraepitheliale Neoplasie, TIN) auszuschließen.
Stadieneinteilung:
Bei Nachweis eines Hodentumors oder eines extragonadalen Keimzelltumors wird ergänzend eine spezielle Röntgenuntersuchung, eine Computertomographie des Bauchraums (Abdomens und Beckens) und des Brustkorbs (Thorax) durchgeführt. Bei entsprechenden Symptomen und fortgeschrittener Erkrankung wird ergänzend noch eine Untersuchung der Knochen (Knochenszintigraphie) und eine Untersuchung des Kopfes (Computertomographie des Schädels) vorgenommen.
Die somit gewonnenen Ergebnisse lassen eine
Stadieneinteilung als Grundlage für die weitere Behandlung zu. Zur Beschreibung
der Ausbreitung der Keimzelltumoren werden verschiedene Stadieneinteilungen
verwendet.
Bei niedrigen
Ausbreitungsstadien wird die Stadieneinteilung
nach Lugano verwendet :
Stadium I: Der Tumor ist auf den Hoden bzw. das umliegende Gewebe beschränkt
Stadium II: Lymphknotenmetastasen unterhalb des Zwerchfelles
nachweisbar
A: < 2 cm
B: 2 – 5 cm
C: > 5 cm oder Tumoreinwachsen in
die Venen
D: tastbarer Bauchtumor oder Resttumor nach Lymphknotenentfernung
Stadium III : Tochtergeschwülste oberhalb des Zwerchfells
Für fortgeschrittenere Erkrankungsstadien
wurde die Klassifikation nach Indiana,
heute jedoch die UICC-Klassifikation
verwendet, die weitgehend der sogenannten IGCCCG-Klassifikation
entspricht.
Die Wahl des Therapieverfahren ist in erster Linie
von der Tumorart ( Seminom / Nicht-Seminom ) und dem Tumorstadium abhängig.
Die operative Entfernung des Hodens (Orchiektomie)
steht in der Regel an erster Stelle.
Im folgendem werden die Therapieempfehlungen gemäß
der Tumorart getrennt dargestellt:
Seminome
: Am Anfang der Therapie steht
die operative Entfernung des betroffenen Hodens und eine
Probenentnahme
aus der gegenüberliegenden Seite.
Im frühen Stadium I (siehe oben) tritt bei einem
von 5 Patienten (20%) trotz unauffälliger Untersuchung des gesamten Körpers ein
Tumorrückfall (Rezidiv) durch zuvor bereits gestreute Tumorzellen auf.
Nach der Hodenentfernung
gibt es daher zwei Strategien:
Durch eine
anschließende Bestrahlung der Lymphabflusswege im Bauchraum, die in
der Regel gut vertragen wird, wird das Rückfallrisiko auf ca. 3-4% gesenkt.
Vier von 5 Patienten werden jedoch unnötig bestrahlt.
Eine andere Möglichkeit ist
es, sorgfältige Nachsorgeuntersuchungen durchzuführen. Bei dieser „Watch and
Wait“ - Stategie wird zunächst ohne Behandlung engmaschig beobachtet.
Nachteil ist hier die psychische Belastung durch ein möglicherweise
auftretendes Rezidiv, die längere Nachbeobachtungsdauer, die hohe Disziplin,
die regelmäßigen Nachsorgetermine über Jahre korrekt wahrzunehmen sowie die im
Fall eines Rückfalls meist intensivere Behandlung, die als eine intensivere
Strahlentherapie oder in Form einer Chemotherapie zum Einsatz kommt.
Alle 3 Möglichkeiten führen
jedoch in fast allen Fällen zur Heilung.
Im Stadium II (Lymphknotenbefall im Becken oder hinteren Bauchraum;
siehe oben) mit dem Nachweis von Lymphknotenmetastasen im Bauchraum unter 5 cm
gilt die Strahlentherapie als Standardbehandlung. Das Rückfallrisiko beträgt
hier zwischen ca. 5-10%, wobei durch eine Chemotherapie im Rückfall ebenso in
fast allen Fällen eine Heilung erreicht werden kann.
In fortgeschritteneren Fällen (Stadium IIC oder größer, d.h.
Tochtergeschwülsten in Organen) kommt eine Medikamentenbehandlung (=
Chemotherapie) zum Einsatz, wobei Kombinationen mehrerer Medikamente verwendet
werden (= Kombinationschemotherapie, z.B. mit den Substanzen Cisplatin,
Bleomycin und Etoposid). Eine Heilung kann hierbei, abhängig von der Ausdehnung
der Erkrankung, noch bei mindestens jedem zweiten Patienten (50%) bis zu 8-9
von 10 Patienten (80-90%) erreicht werden.
Nicht-Seminome: Auch hier gibt es wie bei den Seminomen in frühen Stadien
mehrere Möglichkeiten, die in > 95% zur Heilung führen. Die Strahlentherapie
spielt hier keine Rolle. 17 – 30 % der Betroffenen haben eine verborgene
Streuung der Erkrankung im Bauch- oder Lungenbereich, die zu einem
Tumorrückfall nach der Hodenentfernung führen kann.
Im Stadium
I (siehe oben) gibt es verschiedene Möglichkeiten:
(1)
die
operative Entfernung der Lymphknoten des hinteren Bauchraums (retroperitoneale Lymphadenektomie,
RLA): Vorteile sind, dass das Tumorstadium gesichert und das Rückfallrisiko
in diesem Lymphknotenbereich auf < 5% gesenkt wird und dass etwa zwei Drittel
der Patienten keine nachfolgende Chemotherapie benötigen. Nachteile sind, dass
mehr als zwei Drittel der Patienten unnötig operiert werden, dass
Tochtergeschwülste (= Metastasen) dennoch bei etwa jedem zehnten Patienten
auftreten können und mit einer Chemotherapie behandelt werden müssen und dass
als Folge der Operation ein Ejakulationsverlust auftreten kann.
(2)
Therapiefreie
Nachbeobachtung („watch and wait“): Diese Möglichkeit kann für Patienten in Betracht
kommen, bei denen bei der Untersuchung des entfernten Hodens unter dem
Mikroskop kein Befall von Blut- oder Lymphgefäßen durch Tumorzellen
nachgewiesen wurde. In diesen Fällen beträgt das Rückfallrisiko etwa 14-22%.
Somit wird etwa 8-9 von 10 Männern (78-86%) eine weitere Behandlung erspart.
Nachteile sind die psychische Belastung, die Notwendigkeit einer hohen
Disziplin bei der Nachsorge, eine intensivere Nachsorge und eine intensivere
Chemotherapie im Falle eines Tumorrückfalls.
(3)
Chemotherapie: eine
Sicherheitschemotherapie (= adjuvante Chemotherapie), bestehend aus 2
fünftägigen Behandlungen im Abstand von 3 Wochen, kann das Rückfallrisiko auf
weniger als 5% senken. Diese Nachbehandlungsform sollte vor allem bei Patienten
erwogen werden, bei denen im zuvor entfernten Hoden unter dem Mikroskop ein Tumorbefall
von Blut- oder Lymphgefäßen beobachtet wurde. In diesen Fällen beträgt das
Rückfallrisiko ohne weitere Therapie knapp 50%, und mit Chemotherapie weiniger
als 5%. Nachteile sind, dass etwa die Hälfte der Patienten überbehandelt
werden, dass Nebenwirkungen durch die Chemotherapie auftreten können, und dass
die Zeugungsfähigkeit (Fertilität) vorübergehend für einige Jahre
beeinträchtigt werden kann. Vorteile sind, dass das Rückfallrisiko ohne
zusätzliche Behandlungen unmittelbar auf < 5% gesenkt wird und dass die
Nachsorge einfacher wird.
Auch
im Stadium II A und II B, d.h. bei Befall von Lymphknotenstationen im Bauchraum (siehe
oben), gibt es mehrere
Behandlungsmöglichkeiten, die zu gleichen Heilungsraten von mehr als 95%
führen:
(1)
Operative
Lymphknotenentfernung im Bauchraum (retroperitoneale Lymphadenektomie, RLA;
siehe oben) mit anschließender, zweimaliger Sicherheits-chemotherapie (=
adjuvante Chemotherapie),
(2)
Operative
Lymphknotenentfernung im Bauchraum (retroperitoneale Lymphadenektomie, RLA ohne
adjuvante Chemotherapie,
(3)
Chemotherapie
und eventuelle operative Entfernung von Resttumorgewebe
Vor- und Nachteile dieser Verfahren werden im Einzelfall mit jedem
Patienten diskutiert. Unterschiede ergeben sich durch die Nebenwirkungen der
Behandlungsverfahren sowie im Hinblick auf das nachfolgende Rückfallrisiko und
die Nachsorgeuntersuchungen. Grundsätzlicher Nachteil einer Operation ist das
Risiko eines nachfolgenden Ejakulationsverlusts (5-30%); grundsätzlicher
Nachteil der Chemotherapie sind deren Nebenwirkungen, unter Einschluß von
nachfolgenden Fortpflanzungs-/Fertilitätsstörungen und der prinzipiellen
Möglichkeit der Entstehung von Zweittumoren, wobei dieses Risiko – vor allem
nach nur 2 Chemotherapiebehandlungen - sehr gering zu sein scheint. Vorteil
einer sofortigen (= primären) Chemotherapie ist, dass nur bei einem Teil der
Patienten (9-39%) - abhängig von der Ausdehnung des Tumorbefalls - eine
nachfolgende Operation erforderlich ist.
In den fortgeschritteneren Stadien wird immer eine sofortige (primäre)
Chemotherapie empfohlen. Meist werden (3-) 4 fünftägige Behandlungen
(Chemotherapien) im Abstand von 3 Wochen durchgeführt. Meist besteht die
Chemotherapie aus den 3 Medikamenten Cisplatin, Etoposid und Bleomycin (PEB).
In Einzelfällen wird das Medikament Bleomycin durch das Medikament Ifosfamid
ausgetauscht. Sollten im Anschluß hieran noch Tumorreste verbleiben, wird meist
eine operative Entfernung dieses Resttumorgewebes angestrebt.
Bei Patienten, die eine sehr
weit fortgeschrittene Tumorerkrankung aufweisen (entsprechend dem Stadium „poor
prognosis“ nach IGCCCG-Klassifikation) sollte grundsätzlich die Möglichkeit
einer Hochdosischemotherapie geprüft werden. Ob dieses Verfahren in der
Erstbehandlung tatsächlich zu besseren Ergebnissen führt, ist zwar noch nicht
abschließend bewiesen; dennoch gibt es Hinweise, die auf eine mögliche
Überlegenheit dieser Behandlungsform hindeuten. Bei bestimmten Tumorrückfällen,
die durch eine normal dosierte Chemotherapie nicht geheilt werden können, ist
die Hochdosischemotherapie in der Lage, zu einer langfristigen Tumorfreiheit zu
führen.
Tumorrückfälle/Rezidive:
Die Behandlung von Tumorrückfällen richtet sich nach der Vorbehandlung und der Ausdehnung der Erkrankung. Meist sind die Heilungschancen auch bei einem Tumorrückfall sehr gut, so beispielsweise in den frühen Erkrankungsstadien, bei denen dann mit einer Chemotherapie noch immer hohe Heilungsraten erzielt werden. Selbst in weit fortgeschrittenen Stadien des Rückfalls oder wiederholtem Rückfall kann mit einer Hochdosischemotherapie (in Zentren) und operativer Entfernung von Resttumoren vielfach noch eine dauerhafte Heilung erreicht werden.
Nachsorge:
Nach abgeschlossener Behandlung bzw. bei
therapiefreier Beobachtung nach Hodenentfernung (Orchiektomie) beginnt die
Nachsorge. Deren Ziel ist es, einen eventuellen Rückfall möglichst frühzeitig
zu erkennen, denn auch in der Rückfallsituation besteht durch ein frühzeitiges
Eingreifen eine hohe Heilungsaussicht. Die Häufigkeit der Nachsorgeuntersuchungen
und die dabei jeweils erforderlichen Untersuchungsverfahren sind abhängig von
der ursprünglichen Tumorausdehnung und der durchgeführten Behandlung.
In den ersten beiden Jahren nach Abschluß der
Behandlung erfolgen die Nachsorgeuntersuchungen regelmäßig alle 3 Monate,
später alle 4-6 Monate und ab dem 5. Jahr sollte eine Nachsorge 1x jährlich
durchgeführt werden.
Für die Untersuchung des Bauchraums sind üblicherweise computertomographische Untersuchungen (CT des Abdomens/Beckens) erforderlich. Für die Untersuchung des Brustkorbs werden Röntgenuntersuchungen oder CT-Untersuchungen durchgeführt. Gleichzeitig werden die Tumormarker (AFP, ß-HCG, LDH) bestimmt.
Für die sehr seltenen Fälle eines Hodentumors des
restlichen Hodens wird die Nachsorgeuntersuchung auch die Untersuchung des
verbliebenen Hodens beinhalten.
Nach Abschluß der Behandlung werden Sie über die
Zeitintervalle und Untersuchungsverfahren der Nachsorgeuntersuchungen
informiert, damit Sie diese Termine regelmäßig wahrnehmen können.
Behandlungsfolgen/ Nebenwirkungen:
Bei bestehendem Kinderwunsch bzw. noch nicht
abgeschlossener Familienplanung sollten bei Diagnosestellung ggf. eine
Spermienuntersuchung (Spermiogramm) und Hormonuntersuchungen erfolgen. Eine
nach einer Chemotherapie herabgesetzte Fortpflanzungsfähigkeit (Fertilität) erholt sich zwar häufig – abhängig von der
Intensität der Chemotherapie – nach 1-2 Jahren. Bei möglichem Kinderwunsch sollte
sicherheitshalber jedoch eine Kryokonservierung von Spermien durchgeführt
werden. Im Fall einer deutlich verringerten Spermienzahl im Ejakulat können aus
dem Hoden selbst Spermien gewonnen und eingefroren werden. Diese Fragen sollten
möglichst bereits frühzeitig geklärt werden. Auf Wunsch wird Sie Ihr Urologe
oder Onkologe diesbezüglich beraten und mit Ihnen die erforderlichen Maßnahmen
planen.
Die einseitige Entfernung eines Hodens hat ansonsten
keine Auswirkungen auf die Sexualität. Im seltenen Fall eines beidseitigen
Hodentumors ist ein regelmäßiger Ersatz des männlichen Geschlechtshormons mit
Medikamenten erforderlich.
Eine
Chemotherapie hat einen vorübergehenden Haarverlust und vorübergehende
Erniedrigungen von Blutzellen zur Folge. Hierdurch tritt vor allem eine erhöhte
Infektanfälligkeit auf. Als seltene Nebenwirkungen können Hörstörungen, eine
Verringerung der Lungen- und Nierenfunktion und (meist vorübergehende)
Gefühlsstörungen an Füßen und Händen auftreten. Die mögliche Beeinträchtigung
der Spermienproduktion ist bereits zuvor erwähnt; vorsorglich sollte bei
Kinderwunsch vorab eine Spermien-Kryokonservierung erfolgen.
Über
die möglichen Nebenwirkungen und Verhaltensmaßnahmen während und nach einer
Chemotherapie wird Sie Ihr behandelnder Onkologe ausführlich aufklären.
In
aller Regel können Sie nach abgeschlossener Behandlung Ihr vorheriges privates
und berufliches Leben unbeeinträchtigt fortsetzen. Wichtig bleibt dann vor
allem die regelmäßige Nachsorgeuntersuchung (siehe oben).